How work affects life.
Entwürfe der Studierenden Klasse Industriedesign der Universität für angewandte Kunst Wien, unter Leitung von Prof. Stefan Diez, in einer Ausstellung kuratiert von Matylda Krzykowski im MAKK Köln.

Arbeit, so sagt ein altes deutsches Sprichwort, sei das halbe Leben. Man sollte meinen, dass diese Ansicht längst der Vergangenheit angehört. Doch stattdessen ist die Debatte um Arbeit komplexer und umfangreicher als zuvor - und das schon seit geraumer Zeit. Vor dem Hintergrund der unendlichen Möglichkeiten bei der Berufswahl und dem Paradigma eines selbstbestimmten Lebens führen diesbezügliche Entscheidungen zunehmend zu einer überforderung des Einzelnen. Aktuell wird immer häufiger die Frage gestellt, welchen Stellenwert wir der Arbeit im Gefüge zwischen Freizeit, Familie, Selbstund Fremdbestimmung beimessen und ob wir Arbeit und Freizeit überhaupt voneinander trennen können und wollen. Wo liegt das Zentrum unserer “Work- Life-Balance”, wo und wie wollen wir arbeiten, in was wollen wir unsere Zeit investieren? Für die einen ist Arbeit ein wesentlicher Aspekt der Daseinserfüllung, für andere die Existenzsicherung und für wieder andere eine psychische Belastung, vor allem, oder gerade dann, wenn die Arbeit fehlt. Arbeit in ihrer heutigen Form ist aber auch die Ursache für unseren enormen Ressourcenverbrauch und führt unaufhörlich zur Zerstörung der gemeinsamen Lebensgrundlagen. Gerade dieser Aspekt zeigt wie verwoben die Argumente sind und wie dringend notwendig eine Neubetrachtung der Prioritäten und Verhältnisse geworden ist.

Die Studierenden haben sich unter meiner Leitung über zwei Semester hinweg mit den gegenwärtigen und zukünftigen Formen der Arbeit auseinandergesetzt: Während im ersten Semester die aktuellen Einflüssen auf die Arbeitswelt hinsichtlich technologischer, ökonomischer und sozialer Veränderungen thematisiert wurden, sind im zweiten Semester die Produktionsweisen dieser Projekte unter den Gesichtspunkten einer zukunftsorientierten Kreislaufwirtschaft behandelt worden.

DesignerInnen, insbesondere Industrial Designer, haben unmittelbaren Einfluss auf die Werkzeuge der Arbeit und auf das Zusammenarbeiten der Menschen an den Arbeitsstätten. Egal ob in Büros, Studios, Werkstätten, auf den Feldern oder zu Hause... DesignerInnen wecken die Konsumwünsche einer Gesellschaft und befriedigen sie zusammen mit der Industrie und dem Handwerk, indem sie Ressourcen zu Produkten und Dienstleistungen verwandeln. Es liegt also nahe, dass DesignerInnen eine zentrale Rolle bei der Umgestaltung der Themenkomplexe Arbeit und Wirtschaft zukommt.

Die Studierenden wurden zwei Semester hindurch vom Team der ID1 (Christian Ruschitzka, Christian Steiner, Christoph von Berg, Doris Grossi, Elisabeth Wildling, Eva Kitting, Jakob Illera, Katrin Sailer, Marcus Bruckmann, Peter Mahlknecht, Sandra Hofmeister, Sophia Podreka und Ursula Klein) begleitet und zusätzlich von Gonzalezhaase (Berlin), Mirko Borsche (München), Harald Gründl (EOOS-Wien), Matylda Krzykowski (Berlin), Gustav Lindholm (HAY-Copenhagen), Daniel Prost (Institut für Architektur, die Angewandte), Dominik Hammer, Arthur Desmet sowie Lina Fischer (DIEZOFFICE-München) in zahlreichen Gesprächen und Workshops unterstützt. Den Auftakt des Projektes machte Matylda Krzykowski mit einem 3-Tages Workshop zu persönlichen, spekulativen Arbeitsräumen. Bei der Umsetzung der Projekte und der Ausstellung wurden die Studierenden von unserem Projektpartner, dem Augsburger Unternehmen WAGNER- LIVING, großzügig und wertvoll unterstützt.

Stefan Diez, München, Februar 2021

Jeder Produktentwurf ist ein Weltbildentwurf

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von WORKSPACE IN PROGRESS steht das Verhältnis einer jungen Generation zum Thema Arbeit. Die Entwürfe thematisieren die aktuellen Bedingungen der Arbeitsumwelt, wie Kreativität, Anpassungsfähigkeit und Flexibilität, und die damit verbundenen technologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen. Es gibt kaum einen besseren Ort um Gegenwart und Zukunft zu verhandeln als in Lehre und Ausbildung. Die Frage welche bevorzugten Räume wir brauchen, um unser Einkommen zu verdienen und wofür wir unsere Zeit investieren wollen ist wiederkehrend. Und noch viel wichtiger: Werden es Tätigkeiten sein, denen wir nachgehen wollen?

Das Resultat dieser Verhandlung ist eine Ausstellung im MAKK Köln bestehend aus einem Depot aus Produkten und Projekten in Form von Prozessen, Möbeln, Leuchten, Kleidung, Video, Geräten und Systemen. Im Laufe der Ausstellung werden diese Ideen im Sinne von Requisiten auf einer Bühne durch Performances aktiviert. Durch die Handlung werden erwartete und gefühlte Herausforderungen wie Remote Working, Mangel an Bewegung, Limitation von Raum oder fehlende Privatsphäre deutlich.

Selten hat ein Thema sämtliche Arbeits- und Lebensbereiche so dominiert wie die Pandemie. Unser gewohntes Umfeld ist zu einem Bildschirm geworden. Bei der Frage wie die Entwürfe der Studierenden mit einem, womöglich im Museum abwesenden, Publikum in Kontakt treten können, entstand der Vorschlag die performativ dargestellten Arbeitsabläufe zu dokumentieren und in Form von Videos im digitalen Raum zu teilen. Es reicht nicht aus, ein Produkt, welches im Analogen stattgefunden hat, spiegelbildlich ins Digitale zu übersetzen. Die Betrachtung einer körperliche Erfahrung hingegen inszeniert die Möglichkeit Arbeit auf eine Art und Weise zu erleben. Erst durch eine Handlung werden Entwürfe in ein mögliches Weltbild integriert.

Matylda Krzykowski, Berlin, Februar 2021

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Aktuelle Informationen

WORKSPACE IN PROGRESS wird vom 27. April - 09. Mai 2021, parallel zu einem digitalen Programm, im Museum für angewandte Kunst in Köln MAKK zu sehen sein Die Ausstellung ist von Matylda Krzykowski kuratiert, von Lina Fischer (DIEZOFFICE) geplant und grafisch vom Bureau Borsche umgesetzt. Videoproduktion in Zusammenarbeit mit Daniel van Hauten.

WORKSPACE IN PROGRESS entstand in Zusammenarbeit und mit wertvoller Unterstützung durch WAGNER-LIVING, Augsburg.